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PKV Wechsel innerhalb der Gesellschaft nach § 204 VVG


Der Wechsel des PKV-Tarifs innerhalb der bisherigen privaten Krankenversicherung nach § 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG)

Wechsel PKV - GeschĂ€ftsfrau am SchreibtischJedes Jahr erhöhen viele private Krankenversicherungsgesellschaften ihre BeitrĂ€ge und begrĂŒnden dies mit steigenden Kosten fĂŒr Medikamente, medizinische GerĂ€te sowie medizinische Mitarbeiter.

Von dieser Kostenexplosion waren in den vergangenen Jahren die grĂ¶ĂŸten PKV-Anbieter betroffen, wobei die Höhe der durchschnittlichen Steigerung bei Bestandskunden – je nach Tarif und Gesellschaft – zwischen 0,5 und 7 Prozent schwankte.


Was ist zu tun?

Wenn Sie kein Geld zu verschenken haben, dann sollten Sie ĂŒber einen Tarifwechsel innerhalb Ihrer privaten Krankenversicherungsgesellschaft nachdenken. Denn diese Vorgehensweise gestattet Ihnen hĂ€ufig den Ausstieg aus Ihrem teuren Tarif.

Aber auch wenn Sie fĂŒr einen Wechsel der Versicherungsgesellschaft zu alt oder zu krank sind, können Sie gemĂ€ĂŸ § 204 VVG einen Wechsel in einen anderen Tarif verlangen. Doch nicht nur der § 204 VVG unterstĂŒtzt Sie bei einem solchen Vorhaben. Auch die „VVG-Informationspflichtverordnung“, kurz „VVG-InfoV“, kommt Ihnen zu Hilfe.

Bei PrĂ€mienerhöhungen nach § 6 Abs. 2 VVG-InfoV muss die Krankenversicherung Sie zum Beispiel auf das Recht hinweisen, den Tarif wechseln zu können. Bei Beitragserhöhungen, dieÂ ĂŒber 60 jĂ€hrige privat Krankenversicherte betreffen, muss die Versicherungsgesellschaft sogar die PKV-Tarife nennen, die einen gleichartigen Versicherungsschutz wie ihr bisheriger Tarif bieten und die bei einem Wechsel fĂŒr sie gĂŒnstiger wĂ€ren.

FĂŒr diese Tarife mĂŒssen darĂŒber hinaus die individuell zu zahlenden PrĂ€mien nach dem sogenannten „Niederstufungsangebot“ gemĂ€ĂŸ § 6 Abs. 2 VVG-InfoV angegeben werden.


Wie erklÀrt sich die Kostensteigerung innerhalb der Tarife?

Wechsel PKV - BeratungsgesprĂ€chWenn aus bestimmten Tarifen mehr gesunde Menschen als geplant ausscheiden oder sich fĂŒr eine andere private Krankenversicherung entscheiden, verbleiben nicht selten mehr Kranke in dem Tarif einer Altersgruppe, als von der Versicherungsgesellschaft vorgesehen. In einem solchen Fall sprechen die Experten von „Entmischung“. Dies bedeutet, dass das VerhĂ€ltnis zwischen kranken und gesunden Kunden nicht weiterhin so vermischt ist, dass sich Einnahmen und Kosten die Waage halten. Hier ĂŒberwiegen die „schlechten Risiken“, was natĂŒrlich höhere Kosten fĂŒr die Versicherungsgesellschaft nach sich zieht.

Das Ergebnis: Der Tarif verteuert sich in der jeweiligen Altersgruppe.


Ihre Vorteile

Je lĂ€nger Sie in Ihrem Tarif versichert sind und je mehr BeitrĂ€ge Sie zahlen, desto aussichtsreicher ist statt eines PKV-Wechsels das durch eine Tarifoptimierung bei der bisherigen privaten Krankenversicherung zu erwartende finanzielle Einsparpotential. Durch eine solche Änderung können Sie jĂ€hrlich bis zu mehrere tausend Euro einsparen. Ein Tarifwechsel ist in der Regel dem Verlassen Ihrer privaten Krankenversicherungsgesellschaft vorzuziehen, wenn Sie seit mindestens sieben Jahren Krankenvollversicherter sind.

Das Gute ist: Die aus dem Altvertrag erworbenen AltersrĂŒckstellungen und gewonnen Rechte mĂŒssen auf den neuen Tarif in voller Höhe ĂŒbertragen werden. Sie können diese VerĂ€nderung jederzeit vollziehen. Der § 204 des VVG stellt nĂ€mlich eine Schutzvorschrift fĂŒr Sie, als privat Krankenversicherten, dar. Durch einen Tarif-Wechsel innerhalb Ihrer Versicherungsgesellschaft können Sie den Beitrag hĂ€ufig um bis zu 40 Prozent senken, ohne die Einbuße von Leistungen und eine erneute GesundheitsprĂŒfung befĂŒrchten zu mĂŒssen.

Die bisher angesparten AltersrĂŒckstellungen werden komplett in den neuen Tarif ĂŒbertragen und dort beitragsmindernd angerechnet. Auch erfolgt die Berechnung Ihres Einstiegs zum ursprĂŒnglichen Eintrittsalter und nicht fĂŒr Ihre aktuelle Altersstufe. Ebenso können Sie optional in alle Tarife wechseln, beispielsweise in die sogenannten „Alte-Welt-Tarife“ von vor dem Jahr 2009.

Oder Sie entscheiden sich fĂŒr einen Tarif mit Übertragungswert ab 2009 oder einen „Unisex-Tarif“. Das ist natĂŒrlich nur dann möglich, wenn Ihre private Krankenversicherung auch diese Tariflinien anbietet.


Vor allem fĂŒr Menschen ab 55 Jahren und fĂŒr Rentner lassen sich Beitragsentlastungen realisieren

Wechsel PKV - GeschĂ€ftsleute im MeetingDie Erhöhungen der VersicherungsprĂ€mien stellen vor allem fĂŒr Rentner hĂ€ufig eine große finanzielle Herausforderungen dar.

Denn meist verfĂŒgen Ă€ltere Menschen im Rentenalter ĂŒber weniger Geld als wĂ€hrend der Zeit ihrer BerufstĂ€tigkeit. Da ist der PKV-Tarifwechsel innerhalb der eigenen Versicherungsgesellschaft eine willkommene Alternative und eine attraktive Möglichkeit, um kosten zu sparen.

Um die ĂŒber viele Versicherungsjahre bei der gleichen privaten Krankenversicherung angesparten AltersrĂŒckstellungen nicht zu verlieren, können Rentner erheblichen Beitrag sparen, indem sie in einen kostengĂŒnstigeren Tarif bei ihrer bisherigen Versicherungsgesellschaft wechseln. Dabei mĂŒssen sie nicht auf ihren bisherigen Leistungsumfang verzichten. Der Wechsel in einen anderen Tarif ist also völlig problemlos. Der bestehende Vertrag muss nicht gekĂŒndigt werden und dementsprechend sind keine weiteren Fristen einzuhalten.

Die Versicherungsgesellschaften dĂŒrfen nur dann eine neue GesundheitsprĂŒfung oder einen Risikozuschlag verlangen, wenn der von Ihnen favorisierte Tarif mehr Leistungen als der bisherige umfasst. Diese neuerliche PrĂŒfung darf sich dann aber nur auf das Gebiet der Mehrleistung erstrecken. Sollten Sie diese GesundheitsprĂŒfung jedoch scheuen oder nicht bestehen, dann können Sie auf die Mehrleistung verzichten, so dass in dem neuen, gĂŒnstigeren Tarif der alte Leistungsumfang bestehen bleibt.


Eine weitere Möglichkeit ist die Kostensenkung durch Optimierung des Risikozuschlages

Sie können ebenso nur eine Optimierung Ihres PKV-Risikozuschlages vornehmen, da diese einmal vereinbarten ZuschlĂ€ge fĂŒr Vorerkrankungen nicht „in Stein gemeißelt“ und hĂ€ufig ohnehin zeitlich begrenzt sind. So können Sie die Herabsetzung Ihres Risikozuschlages verlangen, sollte Ihre Erkrankung die risikoerhöhende Relevanz gemĂ€ĂŸ Vertrag verlieren.

Über diese Perspektive informieren wir Sie deshalb, weil die Versicherungsgesellschaft nicht dazu verpflichtet ist, Sie auf die Möglichkeit der Reduzierung oder Streichung des Zuschlages hinzuweisen. Auch existiert kein Automatismus, wonach die Gesellschaft den Risikozuschlag, basierend auf der Tarifvereinbarung, nach eigenem Ermessen streicht. Hier mĂŒssen Sie also in der Regel selbst aktiv werden!


Meist ist der Verbleib in der privaten Krankenversicherungsgesellschaft die bessere Alternative

Viele Versicherungsnehmer sind nach der Anhebung ihrer BeitrĂ€ge geneigt, spontan die private Versicherungsgesellschaft zu wechseln oder sogar in die gesetzliche Krankenversicherung zurĂŒckzukehren.

Daher unser Tipp: Sollten Sie schon eine lĂ€ngere Zeit im jetzigen Tarif versichert sein, empfehlen wir, den Wechsel des PKV-Tarifs innerhalb Ihrer bisherigen Versicherungsgesellschaft vorzunehmen, da andernfalls angesparte AltersrĂŒckstellungen verloren gehen.


Hier nun noch einmal das Wichtigste ĂŒber den Tarifwechsel innerhalb Ihrer bestehenden Versicherungsgesellschaft in KĂŒrze:

 

  • Wechseln Sie nicht sofort in den Basistarif, denn dieser ist teuer (Stand 2015: 639,38 Euro pro Monat) und leistet wenig. Nehmen Sie diesen nur in NotfĂ€llen, wie zum Beispiel bei Arbeitslosigkeit, in Anspruch, denn dann zahlt das Jobcenter Ihren Versicherungsbeitrag.
  • Erhöhen Sie nicht unĂŒberlegt den Selbstbehalt. Dieser reduziert zwar oft Ihre BeitrĂ€ge, jedoch nur mit kurzfristiger Wirkung. Sobald nĂ€mlich die Selbstbeteiligung im Krankheitsfall voll ausgeschöpft werden muss, steigt wiederum die Selbstbeteiligung und damit erhöhen sich auch Ihre Kosten.
  • Der Wechsel innerhalb der PKV ist völlig unabhĂ€ngig von Ihrem Alter. Sie können diesen Schritt auch vollziehen, wenn Sie ĂŒber 55 Jahre alt sind oder schon ein höheres Alter erreicht haben. Die Grenze von 55 Jahren gilt einzig als Voraussetzung fĂŒr den erstmaligen Eintritt in die private Krankenversicherung!
  • Wegen eines Tarifwechsels sollten Sie auf keinen Fall einen Aufpreis akzeptieren! Mit diesem „Tarifstrukturaufschlag“ möchten viele Versicherungsgesellschaften den Tarifwechsel unattraktiv machen. Jedoch ist ein solches Vorgehen gesetzlich untersagt, wie schon im Jahre 2010 das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig bestĂ€tigte (Quelle: BVerwG, Urteil vom 23.06.2010 – 8 C 42.09). Seitdem besteht Rechtssicherheit darĂŒber, dass der pauschale Risikozuschlag wegen eines Tarifwechsels nicht zulĂ€ssig ist.
  • HĂ€ufig wird die Behauptung aufgestellt, dass durch einen Wechsel des PKV-Tarifs innerhalb der bisherigen Versicherungsgesellschaft Leistungen verloren gingen. Diese Aussage ist eindeutig falsch, wenn der Tarifwechsel richtig durchgefĂŒhrt wird.

So ist also vor allem den Versicherten, die schon lange in der privaten Krankenversicherung sind, (in aller Regel) immer der Verbleib innerhalb der bisherigen Versicherungsgesellschaft bei einem Wechsel des PKV-Tarifs zu empfehlen!


Ihr Wechsel-Experte
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